Zweiklassen-Medizin
Zwei-Klassen-Medizin – ja bitte! Kurz vor der Bundestagswahl darf man ein klein wenig politisch werden. In den letzten Jahren ist immer wieder von der so genannten Zwei-Klassen-Medizin die Rede. Wer davon redet lehnt sie meist als unsozial und ungerecht ab. Warum ist das so? In Deutschland gibt es das System der GKV (Gesetzliche Krankenversicherung), in der die Mehrheit der Bevölkerung versichert ist. Eine Minderheit (2007 waren dies etwa 8,5 Millionen Menschen) ist in der PKV (Private Krankenversicherung) versichert. Allerdings kann der Bürger die Versicherung nicht selbst wählen. Angestellte dürfen ab einem bestimmten Einkommen (zurzeit 48.150 Euro pro Jahr) der PKV beitreten. Vor kurzem wurde von der Gesundheitspolitik festgelegt, dass diese Einkommensgrenze drei Jahre hintereinander überschritten werden muss. Kritiker sehen dies als eine Maßnahme an, die PKV langsam aber sicher auszutrocknen. Der PKV-Versicherte hat durchaus einige Vorteile (unvollständige Aufzählung): Ø Niedrigere Beiträge (zumindest in jüngeren Jahren bei gut Verdienenden, im Alter kann der PKV-Beitrag den GKV-Beitrag deutlich übersteigen) Ø Viele Medikamente, die von der GKV nicht mehr erstattet werden, werden von der PKV noch übernommen (obwohl die PKV auch hier immer restriktiver wird – besonders was naturheilkundliche Medikamente angeht) Ø Es fällt keine Praxisgebühr an Ø Der Patient kann sich Spezialisten aussuchen, ohne eine Überweisung vom Hausarzt zu benötigen Ø Der PKV-Versicherte erhält (meist) etwas schneller einen Behandlungstermin (Studien zeigen hier einen minimalen Vorteil, der von Gegnern der PKV gern ausgeschlachtet wird). Der privat Versicherte hat aber durchaus auch Nachteile. In einigen meiner früheren Newsletter bin ich ausgiebig darauf eingegangen: http://www.abhaengig-keit.de/kunstfehler/ Privatpatienten bekommen eher Leistungen, die sie (oft) gar nicht benötigen. Das liegt daran, dass über die GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) die gleichen Leistungen mit einem höheren Entgelt abgerechnet werden können, was natürlich für den Arzt bzw. das Krankenhaus sehr attraktiv ist. Der Privatpatient und die Privatkassen subventionieren den Medizinbetrieb und ermöglichen im Sinne einer Mischkalkulation, dass bei gesetzlich Versicherten auch ansonsten völlig unrentable diagnostische und therapeutische Maßnahmen durchgeführt werden. Politiker wie Frau Schmidt und Prof. Lauterbach fordern nun aber, dass es praktisch eine Einheitskasse gibt (Stichwort: Bürgerversicherung). Auch wenn es noch verschiedene Krankenversicherungen geben sollte, so sollen diese sich bezüglich Beitrag und Leistungen praktisch nicht unterscheiden. Die Gebührenordnung für Ärzte ist seit mehr als 12 Jahren nicht mehr verändert worden (welche Berufsgruppe würde sich gefallen lassen, bei steigenden Energie- und Personalkosten keine Lohnerhöhung zu erhalten?). Es scheint Tendenzen zu geben, die private Gebührenordnung den gesetzlichen Leistungen anzupassen. Das wäre dann praktisch das Ende der privaten Krankenversicherung und das Ziel der Ein-Klassen-Medizin wäre erreicht: Es würden alle Versicherten gleich schlecht behandelt werden! Wo gibt oder gab es denn schon mal eine Ein-Klassen-Medizin? In der Vor-Bismarckschen Ära in Deutschland und heute in zahlreichen Entwicklungsländern gab bzw. gibt es eine Ein-Klassen-Medizin. Ein Sozialversicherungssystem mit Krankenkassen zu bezahlbaren Tarifen und sozial abgefedert (höheres Einkommen = höhere Beiträge) existiert dabei nicht. Jeder, der medizinische Leistungen in Anspruch nehmen will, muss diese selbst aus eigener Tasche bezahlen, was den meisten nicht gelingt. Die medizinische Versorgung in diesem System ist meist schlecht und unsozial, da nur sehr Wohlhabende ärztliche Leistungen überhaupt in Anspruch nehmen können. In den sozialistischen Staaten (teilweise auch in Großbritannien vor einigen Jahren) gab es auch eine Ein-Klassen-Medizin. Praktisch die gesamte Bevölkerung war in einem staatlichen Gesundheitssystem zwangsweise versichert. Jeder hatte Anspruch auf die gleichen Leistungen. Diese waren aber meist rationiert. Es wurde genau (von Bürokraten, die praktisch keine eigene medizinische Erfahrung am lebenden Patienten hatten) vorgeschrieben, welche Leistungen in einem solchen System erstattet werden. Neue Methoden oder Medikamente waren für lange Zeit nicht verfügbar. Selbst die vorhandenen Leistungen, z. B. Hüftoperationen oder Nierentransplantationen, wurden beschränkt (z. B. ab einem bestimmten Alter untersagt bzw. unzumutbar lange Wartezeiten) Nur sehr reiche Menschen (z. B. in Großbritannien durch Bezahlung sehr teurer Privatärzte oder Behandlung im Ausland) oder die Politprominenz (z. B. in der Sowjetunion durch nur einem bestimmten Kader vorbehaltene Privatkliniken) waren in diesem System der Gleichheit etwas „gleicher“. Beides sind also extrem inhumane und unsoziale Systeme! Und obwohl wir um unser Gesundheitssystem weltweit immer noch beneidet werden, soll dieses gegliederte System der Zwei-Klassen-Medizin durch eine Zwangs-Einheitsversicherung (euphemistisch „Bürgerversicherung“ genannt) ersetzt werden. Zwei-Klassen-Medizin: Warum „kaputt reformieren“, was prinzipiell funktioniert? Dabei gibt es doch ein Versicherungssystem in Deutschland, welches funktioniert, weil es sich selbst trägt und keine staatlichen Zuschüsse benötigt. Ich meine die Autoversicherung. Wir haben den Zwang, dass jeder eine Versicherung mit Mindestanforderungen haben muss (sehr vernünftig, das sollte es in jedem Gesundheitssystem auch geben – die Amerikaner kämpfen immer noch darum). Jeder hat aber auch die Wahl, sich zusätzlich „privat“ zu versichern (Vollkasko). Die Tarife enthalten solidarische und Wettbewerbsinstrumente (besondere Risiken wie sehr sportliche Autos verlangen höhere Prämien, niedrigere Prämien wie geringere Fahrleistungen führen zu Abschlägen). Die Nicht-Inanspruchnahme von Leistungen führt zu attraktiven Rückzahlungen. Warum soll denn die Krankenversicherung nicht von der KFZ-Versicherung lernen und sinnvolle Elemente übernehmen? Jetzt höre ich schon den entsetzten Aufschrei, man könne doch ein Auto nicht mit einem Menschen vergleichen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich zynisch wirke, meine ich das völlig ernst: Ich würde mir wünschen, dass die meisten Menschen ihren eigenen Körper so pfleglich behandeln würden wie ihr Auto. Ø Das Auto wird regelmäßig zur Inspektion gebracht (schauen Sie sich dem gegenüber die Inanspruchnahme der kostenlosen (!) Vorsorgeuntersuchungen beim Menschen an – nur 10-30 % gehen überhaupt hin). Ø Das Auto bekommt nur das, was es auch braucht: Benzin mit der richtigen Oktanzahl. Wenn die Menschen ihren Körper mit vergleichbar passenden Lebensmitteln versorgen würden, dann hätten wir weit weniger mit Folgen von Fehlernährung zu tun. Ø Beim Motoröl wird selten das billigste genommen, da darf der Liter auch mal ein paar Euro mehr kosten. Beim Pflanzenöl für den Menschen wird hingegen oft das billigste raffinierte Öl aus dem Discounter genommen und kein biologisch erzeugtes kalt gepresstes Öl. Wenn ich mir die Tendenzen in der Gesundheitspolitik ansehe, entfernen wir uns immer weiter von Elementen, die Selbstverantwortung fördern oder eine freie Kassen- bzw. Arztwahl ermöglichen.
Liegt das vielleicht auch an den beiden Hauptprotagonisten der aktuellen sozialistischen Gesundheitspolitik? Sozialistisch ist hier nicht diffamierend gemeint, sondern spiegelt nur die Realität wieder, da mit Überbürokratisierung, Reglementierung und Planwirtschaft (Budgetierung ist nichts anderes als Planwirtschaft) typische Aspekte des Sozialismus das Gesundheitssystem bestimmen. Überall hat sich der Sozialismus als nicht durchführbar erwiesen, doch ausgerechnet im Gesundheitswesen soll es funktionieren. Schauen wir uns doch einmal die beiden wichtigsten Figuren der Gesundheitspolitik an: Frau Ulla Schmidt hat auf Lehramt für Haupt- und Grundschule studiert. Da sie sich als Angehörige der Studentenorganisation des KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschlands) weigerte, eine Verpflichtungserklärung auf das Grundgesetz zu unterschreiben, wurde sie nicht zum Lehramt zugelassen. Das ist ja schon eine erstaunliche Karriere: Von der Kommunistin hin zur SPD-Ministerin, die sich im Dienstwagen durch Spanien chauffieren lässt – und das auch noch ohne schlechtes Gewissen, es war doch alles völlig legal! Sie arbeitete im Kaufhaus Woolworth, bis sie dann als Lehrerin für erziehungsschwierige Kinder tätig war (das hat ihr wohl sehr im Umgang mit den Ärzten geholfen, da diese aus ihrer Sicht bestimmt auch recht erziehungsschwierig sind). Seit einigen Jahren erfreut sie Patienten und Angehörige des Gesundheitssystems mit ihrer Tätigkeit. In Ihre Amtszeit fallen u.a. folgende Errungenschaften: Ø Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal, die die Patienten ärgert, noch mehr aber die Ärzte, die dieses Geld einziehen und dann an die Krankenkassen abführen müssen. Ein riesiger Aufwand, der die Zeit der Arzthelferinnen kostet, die für die Patienten damit nicht zur Verfügung steht und mit keinem Cent belohnt wird. Die viel elegantere Lösung der bargeldlosen Abbuchung durch die Krankenkassen wurde merkwürdigerweise nicht gewählt. Ø Die Erstattung der meisten rezeptfreien Medikamente (und damit der meisten naturheilkundlichen Medikamente) ist gegen den ausdrücklichen Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung seit der Gesundheitsreform (siehe auch http://www.natur-heil-verfahren.de/gesundheitsreform/) nicht mehr möglich – nicht weil die Medikamente nicht wirksam sind, sondern weil sie zu wenige Nebenwirkungen haben, sonst wären sie nämlich rezeptpflichtig. Damit wäre dann auch die Quizfrage beantwortet. Ø Immer weniger Ärzte gehen nach ihrer Ausbildung in die kurative Medizin am Patienten in Klinik und Praxis, sie suchen andere Betätigungsfelder in Industrie, Forschung oder Institutionen. Immer mehr Ärzte wandern aus, meist nach Großbritannien, in die Schweiz und nach Skandinavien. Dort werden ihnen nicht-ärztliche Tätigkeiten, zu denen sie hier gezwungen sind, abgenommen und sie haben ein vernünftiges Verhältnis zwischen Entlohnung und Freizeit. Ich habe willkürlich ein Ärzteblatt der letzten Zeit mal auf das Verhältnis von Informationen zu Anzeigen angeschaut. Es gab 57 Textseiten mit medizinischen Inhalt und 130 Seiten Stellenanzeigen. Das muss man sich mal überlegen: Im ärztlichen Standesblatt überwiegen die Stellenanzeigen den ärztlichen Teil um mehr als das Doppelte. Wenn das kein Beweis für einen Ärztemangel ist – und es wird nicht besser werden. Die Abwanderung von tausenden von Ärzten stellt nicht nur einen ungeheuren Aderlass an gut ausgebildeten und hier dringend benötigten Fachkräften dar, sondern ist auch eine finanzielle Verschwendung: Kann eine Gesellschaft es sich dauerhaft leisten, einen Arzt für 500.000 Euro auszubilden, um ihn dann im Ausland ohne Nutzen für unsere Solidargemeinschaft arbeiten zu lassen?
Kommen wir zu Prof. Karl Lauterbach. Er studierte Medizin und promovierte an der Kernforschungsanlage Jülich. Interessanterweise wurde er von der konservativen Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert. Er studierte Gesundheitsökonomie und Epidemiologie in den USA und ist jetzt Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie der Universität in Köln, Bundestagsabgeordneter für die SPD und berät als Mitglied des Gesundheitsausschusses maßgeblich die Bundesregierung in Gesundheitsfragen. Was jedoch wenig bekannt ist: Er hat, obwohl Medizin studiert, niemals für längere Zeit als „richtiger Arzt“ an richtigen Patienten gearbeitet. Obwohl er eine sozialistische Gesundheitspolitik vertritt, fördert er als Mitglied des Aufsichtsrates der privaten Krankenhauskette des Rhön-Klinikums durchaus kapitalistische Interessen. Zusammen mit einigen anderen Aktienunternehmen teilt das Rhön-Klinikum gerade den stationären und den ambulanten Gesundheitsmarkt (Stichwort: Ersatz der Hausarztpraxen durch medizinische Versorgungszentren) untereinander auf. Einerseits steuern wir also – was die Finanzierung und die Rechte von Patienten und Ärzten angeht – auf ein streng sozialistisches System zu, andererseits werden die Profite aber zukünftig durch ein Oligopol (wahrscheinlich werden vier große „Player“ übrig bleiben) abgeschöpft. Danke dafür, Prof. Lauterbach! Das Problem ist, dass alle diese Dinge nahezu undemokratisch in Ausschüssen entschieden und kaum in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Vielleicht liegt es auch an den Wählern selbst. Während in allen Umfragen „Gesundheit“ immer das wichtigste ist, entscheiden die Wähler bei Wahlen fast immer nach anderen Kriterien. Die Gesundheitspolitik und schon gar die Naturheilkunde spielen hier praktisch keine Rolle.
Zwei-Klassen-Medizin: Naturheilkunde – in der Politik nicht gefragt Die Naturheilkunde hat leider keine Partei in besonderer Weise in ihrem Programm. Auch die Grünen, bei denen man aus ideologischer Sicht (Natürlichkeit der eingesetzten Medikamente, Nachhaltigkeit regulierender anstelle von unterdrückenden Therapien) am ehesten eine Nähe zur Naturheilkunde vermuten möchte, sind keineswegs ganzheitlicher als andere Parteien. Und so kann und werde ich Ihnen aus naturheilkundlicher Sicht keine Wahlempfehlung für irgendeine Partei geben können. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Gesundheit und dass Sie bei der Wahl trotzdem die richtige Entscheidung für sich und Deutschland treffen.
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.
Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
Die
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