Therapie für Frauen
in der Psychosomatik – Wozu
denn das?
Ist
denn Frausein eine Krankheit?
Wie auch in anderen psychosomatischen
Kliniken haben wir unter unseren Patienten in der Habichtswaldklinik einen großen
Frauenanteil (75 bis 80% unserer psychosomatischen Patienten sind weiblich). Seitdem die psychosomatische Abteilung
in 1987 ihre Arbeit in der Habichtswaldklinik aufgenommen hat, haben immer
wieder Frauen danach gefragt und darum gebeten, einen
spezifischen
weiblichen Therapieraum zu haben, sie wollten sich mit anderen Patientinnen
austauschen und von Ärztinnen und Therapeutinnen behandelt werden. Unsere Therapie (speziell) für Frauen hat damit begonnen, dass wir diesem Bedürfnis Raum gegeben habe, und so können seit Jahren Frauen dieses therapeutische Angebot im Vorfeld des Aufenthaltes wählen, indem sie in unserem Aufnahmefragebogen ankreuzen, dass sie in einer Frauentherapie - Gruppe behandelt werden wollen. Wir hier im therapeutischem Team der
Habichtswaldklinik und speziell in der PTH 3, wo die Frauentherapie - Gruppen
angesiedelt sind, haben in all diesen Jahren, seitdem wir ein
frauentherapeutisches Angebot machen, in der Arbeit mit unseren Patientinnen und
durch die Reflexion unserer Erfahrungen in dieser Arbeit viel dazu gelernt. Wir leben ja hier und heute in einer Welt, in der in vieler Hinsicht mit männlichem Maß gemessen wird. So war z.B. in der medizinischen
Forschung und in der Neuentwicklung von Arzneimitteln über lange Zeit üblich,
spezifische Belastungen in die Reaktionen darauf Behandlungsformen und
Arzneimitteln an jungen Männer, oft z.B. Medizinstudenten zu testen. Frauen hat
man für wissenschaftliche Tests nicht gerne genommen, weil die schon allein
durch ihren Menstruationszyklus, aber auch durch andere Eigenschaften als
komplexer und dadurch in wissenschaftlichen Bewertungen nicht so leicht
einzuordnen galten. Die andere Seite, nämlich dass
Normalwerte festgelegt oder Dosierungsempfehlungen gegeben wurden, und zwar für
Männer und Frauen - obwohl die Ergebnisse ausschließlich durch junge männliche
Probanten gewonnen wurden - blieb dabei in ihrer ganzen Problematik lange unberücksichtigt
und unreflektiert. Das vielerorts zu beobachtende Unbehagen
von Frauen in Bezug auf die moderne Medizin hat möglicherweise auch hier seine
Wurzeln. Inzwischen hat unter dem Stichwort „Gender
Mainstream“ eine geschlechtsbezogene Sichtweise auf Symptome, Krankheitsbilder
und deren Hintergründe begonnen, was wir sehr begrüßen.
In
weiterer Konsequenz wird viel Umdenken in der Diagnostik und Behandlung von Störungen
von Männern und von Frauen erforderlich sein. Im Vorwort heißt es: „Frauen und Männer
unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Krankheiten und gesundheitlichen Einschränkungen,
ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen, die Gesundheit und Krankheit beeinflussen,
ihres Umganges mit gesundheitlichen Belastungen, sowie in der Inanspruchnahme
von gesundheitlichen Versorgungsleistungen. Die Gesundheitsprobleme und Dieser Bericht enthält jetzt zahlreiche
wissenschaftliche Untersuchungen zu frauengesundheitsspezifischen
Fragestellungen, viele weitere werden noch folgen müssen. So bekommt unsere psychosomatische Therapie mit Frauen und speziell in Frauengruppen, die sich in dichter Zusammenarbeit mit den Frauen, die als Patientinnen zu uns gekommen sind und ihren spezifischen Anliegen entwickelt hat, eine gute wissenschaftstheoretische Basis. Darüber hinaus arbeitet die Habichtswaldklinik in Bezug auf Qualitätssicherung und Evaluation ihrer Therapieergebnisse mit Prof. Koch, Universität Hamburg Eppendorf zusammen. Wir machen Basisdokumentation, die
Behandlungsergebnisse nach Einschätzung der Patientinnen und Einschätzung der
Ärztinnen und Therapeutinnen werden wissenschaftlich ausgewertet und Katamnesen
werden durchgeführt, und auch hier sehen wir, dass unsere Therapie (speziell) für
Frauen wirklich sehr erfolgreich
ist. Im Bereich der Therapie für
Frauen orientieren wir uns also nicht in erster Linie am Symptom, sondern
grundlegend bieten wir eine geschlechtsspezifische Sichtweise und einen Ansatz
von dieser Basis aus an, und erst in zweiter Linie schauen wir
symptomspezifisch. So hat sich in der Therapie für Frauen schnell
gezeigt, dass überdurchschnittlich viele traumatisierte und sexuell
traumatisierte Frauen den geschützten Rahmen einer Frauengruppe für sich
suchen, und wir haben darauf reagiert. Alle Frauengruppentherapeutinnen, auch
die Kunst- und Körpertherapeutinnen sind traumatherapeutisch ausgebildet (bei
Frau Dr. Reddemann, Bielefeld und Herrn Prof. Sachse, Göttingen).
Alle
haben darüber hinaus spezifische Behandlungstechniken erlernt, die im Bereich
der Traumatherapie erfolgreich sind, wie z.B. EMDR. In der Therapie (speziell) für Frauen
selbst geht es natürlich nicht um Traumabearbeitung, das erfolgt in den
Einzeltherapien. In Frauengruppen haben aber alle Themen der Frauen ihren Platz,
die sie beschäftigen und ihr Leben, ihre Arbeit, ihre Liebe, ihre Gesundheit
hier und heute beeinträchtigen bzw. beeinflussen.
Einen
großen Raum in der Therapie (speziell) für Frauen und darüber hinaus in
unserem gesamten stationären Setting nehmen ressourcenorientierte Ansätze und
Angebote ein. Wir gehen davon aus, dass Frauen
spezifischen und oft erheblichen Belastungen und auch Verletzungen in ihrem
Leben ausgesetzt waren oder sind, und dass diese problematische Seite des Lebens
in der Therapie (speziell) für Frauen Respekt, Beachtung und Raum finden muss. Zugleich gehen wir aber auch davon aus,
dass es viele Möglichkeiten gibt, die Frauen auch in schwierigen Situationen
gut tun und die als hilfreich erlebt werden können, und auch darauf soll hier
ein Augenmerk gelenkt werden, auf die Möglichkeiten zur Entspannung, Entängstigung,
Beruhigung, Fürsorge, Tröstung, auf das, was im Leben genussvoll und freudvoll
sein kann. Auch in Bezug auf Selbstfürsorge und
Selbsttröstung geben sich die Frauen in der Frauengruppe gegenseitig viele
Anregungen und unterstützen sich bei der Einübung von hilfreichen Techniken
und Gewohnheiten. Also: Das spezifische Angebot von Therapie (speziell) für Frauen in der Psychosomatik impliziert keineswegs, dass wir hier von einem Symptom ausgehen und Frausein für eine Krankheit halten, sondern entspricht der – inzwischen wissenschaftlich auch untermauerten Erfahrung, dass es manchmal im Leben sehr sinnvoll und hilfreich und effektiv sein kann, einen geschlechtsspezifischen, d.h. in diesem Fall frauenspezifischen Ansatz zu wählen. Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit Ihre Tilla Fischer
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
Sagen Sie uns ruhig mal Ihre
Meinung! Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Themenübersicht unnötiges Papier.
Weitere Fragen? Ihre Meinung?
Telefon +49 (0) 56 1 - 31 08- 305, 327, 179 oder - 523
Wigandstraße 1 · 34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe (Germany) Servicetelefon 0800 / 8 90 11 00 · Info-Fax 0800 / 7 32 73 80
Haftungshinweis: |