Röntgen
Heute schon geröntgt? Wussten Sie schon, dass wir Vize-Weltmeister
sind? Nein, es geht hier nicht um Fußball. Sondern um das Röntgen. In einer Untersuchung zu
Röntgen
verordnungen in 15
Industrienationen waren nur die Japaner „besser“ als wir. Auf 1000 Einwohner
kommen dort pro Jahr 1500
Röntgen
untersuchungen. Knapp gefolgt von Deutschland
mit etwa 1250. Dann kommt lange Zeit nichts und dann – aber bereits mit
weniger als 1000 Untersuchungen pro Jahr – folgen erst die US-Amerikaner auf
Rang drei. Wer hätte das gedacht? Ich hätte ja die vermeintlich
diagnostikwütigen und schon aus Angst vor den amerikanischen Rechtsanwälten um
jede Absicherung bemühten Amerikaner weiter vorne geschätzt. Aber weit
gefehlt. Deutschland ist endlich einmal weltweit ziemlich weit vorn. Frau
Schmidt wird stolz auf uns sein.Aber was bedeutet das eigentlich? Jeder Bundesbürger – vom Säugling bis zum Greis – kommt pro Jahr im Durchschnitt mehr als einmal in den Genuss einer Röntgen untersuchung. Man muss kein medizinischer Experte sein, um zu wissen, dass damit auch eine nicht unerhebliche Strahlenbelastung und dadurch ein nicht zu unterschätzendes Krebsrisiko verbunden sind. Ich will hier überhaupt keine Strahlen- und Krebsangst schüren. Ich möchte vielmehr noch einmal die Ergebnisse der erwähnten Untersuchung bemühen. Dort hat man nämlich nicht nur aus Daten der Vereinten Nationen den Umfang von 27 verschiedenen Röntgen untersuchungen einschließlich Computertomographie aus den Jahren 1991 bis 1996 erhoben, man hat außerdem die Sterblichkeit an neun wichtigen Krebsarten (z. B. Lunge, Magen, Leukämie) zugrunde gelegt und anhand von Strahlenexpositionsmodellen aus den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki das Auftreten von Krebs abgeschätzt. Das Ganze ist immerhin so seriös, dass eine der bedeutendsten medizinischen Fachzeitschriften der Welt, nämlich der Lancet, diese Studie veröffentlicht hat.
Was kam dabei heraus? Etwa jede hundertste
Krebserkrankung geht auf das Konto von
Warum finden in Deutschland so viele
Wenn Röntgen untersuchungen wirklich notwendig sind, so ist unter einer kritischen Risiko-Nutzen-Abwägung das Risiko in Kauf zu nehmen. Doch im Weltvergleich muss man sich schon fragen: Sind die Deutschen denn so viel kränker oder brechen sie sich so viel häufiger die Knochen, dass sie fast doppelt so häufig geröntgt werden wie die Schweizer, Holländer und Norweger, die medizinisch bestimmt nicht unterversorgt sind? Was läuft in Schweden anders, dass sie mit schlappen 600 Röntgen untersuchungen pro Jahr auf 1000 Einwohner auskommen und wir nicht?
Gehen wir doch einmal spaßeshalber davon aus,
dass der Durchschnitt der Industrienationen mit der Häufigkeit der
Untersuchungen richtig liegt. Dann würde bei uns etwa jede zweite Das heißt ja keineswegs, dass alle Röntgen untersuchungen überflüssig und gefährlich sind. Wie bei jeder diagnostischen oder therapeutischen Maßnahme – egal ob Blutentnahme oder Herzkatheder, ob Kamillentee oder Bypassoperation – müssen wir Risiko und Nutzen stets gegeneinander abwägen. Während man eine Komplikation bei einer Blutentnahme oder beim Herzkatheder unmittelbar sieht und auch mit der auslösenden Ursache in Verbindung bringt, ist dies beim Röntgen und bei Krebserkrankungen ungleich schwieriger, ja im Einzelfall sogar unmöglich. Wer weiß schon, ob ein Lungenkrebs eines 70-jährigen ursächlich auf einen „Thorax“ (Brustkorbaufnahme) vor 30 Jahren zurückzuführen ist oder nicht. Wir können Risiken hier eben nicht im Einzelfall, sondern nur in großen statistisch auswertbaren Kollektiven messen. Röntgen - medizinischer Erkenntnisgewinn oder rechtliche Absicherung? Wenn die Indikation für eine Röntgen untersuchung klar gestellt wurde und damit eine wichtige, nicht anders zu beantwortende Frage gestellt wird, die zudem noch entscheidende therapeutische Konsequenzen nach sich zieht, dann muss auch geröntgt werden. Die Frage ist nur, ob das wirklich immer der Fall ist. Ich befürchte, dass ein großer Teil der Röntgenuntersuchungen nicht dem medizinischen Erkenntnisgewinn, sondern der rechtlichen Absicherung des Arztes dient. Ein Beispiel: Sie haben Schmerzen im Nacken mit Ausstrahlung in den Arm. Die Schmerzen sind seit Tagen unverändert. Entlang einer Fläche am Unterarm bis zum Daumen verspüren Sie ein Gefühl von Pelzigkeit. Es besteht klinisch der Verdacht auf einen Vorfall einer Bandscheibe der Halswirbelsäule. Wenn Sie diese Beschwerden beim Arzt schildern, wird er meist umgehend eine Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule oder besser noch eine Computertomographie veranlassen. Man darf doch nichts übersehen und man will doch schließlich wissen, ob der Verdacht richtig ist! Sollte man einen Bandscheibenvorfall übersehen haben oder diagnostisch nicht gesichert haben, so drohen möglicherweise rechtliche Schritte der auch in Deutschland immer klagefreudigeren Patienten. Doch welche Konsequenz hat hier die Sicherung der Diagnose? Eigentlich keine. Wenn die Beschwerden nicht zunehmen und keine Lähmungen eintreten, so besteht ohnehin keine Operationsindikation und es wird konservativ behandelt. Die Untersuchung bringt keinen wirklich verwertbaren Erkenntnisgewinn. Anders ist es natürlich, wenn sich die Frage nach einer möglichen Operation stellt, weil die Beschwerden und Befunde entsprechend ausfallen (z. B. bei deutlicher Zunahme der Beschwerden oder gar bei Lähmungserscheinungen) – dann muss dies natürlich diagnostisch abgeklärt werden. Es gilt also immer zu fragen: Muss die Untersuchung tatsächlich stattfinden? Hat das Ergebnis therapeutische Konsequenzen, die man auf andere Weise so nicht ziehen würde? Wenn diese Fragen nicht eindeutig bejaht werden, sollte eine Indikation für das Röntgen sehr kritisch gesehen werden. Röntgen: Kasse- oder Privatpatient?
Neben forensischen (rechtlichen) könnten auch
ökonomische Aspekte die „Röntgen
wut“ im
deutschen Medizinsystem zum Teil erklären. Ein Beispiel: Vor einigen Jahren
war ich Assistenzarzt in einer Klinik. Die Kassenpatienten erhielten so viele
(oder besser: so wenige) Zu der oft unnötigen medizinischen und rechtlichen Absicherung sowie der Geldgier im Medizinsystem gesellt sich noch das neurotische Bestreben mancher Patienten, möglichst viele und aufwändige Untersuchungen zu bekommen. Viel hilft viel. Je mehr desto besser. Je teurer, desto wertvoller. Die einfache Röntgen aufnahme tut es da schon lange nicht mehr. „Wie, du bist nur geröntgt worden? Mich haben sie gleich in die Röhre (CT oder Kernspin) gesteckt.“ Wenn etwa nichts dergleichen an Untersuchungen erfolgte, dann kann die Krankheit wohl doch keine richtige gewesen sein, dann simuliert der Patient womöglich und der Arzt nimmt ihn gar nicht ernst. Von diesen fatalen Denkstrukturen müssen sich alle im Gesundheitssystem Beteiligten verabschieden, wenn wir eine wirklich rationale, d. h. eine vernünftige und kostengünstige Diagnostik wollen. Röntgen: Was sagen eigentlich die Kassen zur Studie? Übrigens Kosten: Mich würde interessieren, was die Kassen zu der Studie sagen. Gerade wurden doch endlich fast alle Naturheilmittel aus der kassenärztlichen Erstattung verdrängt (was das Gesundheitssystem finanziell nicht retten, sondern langfristig durch Umstieg auf teurere und nebenwirkungsbehaftetere Ersatzpräparate sogar noch mehr belasten wird), aber hier besteht doch ein wirkliches Einsparpotential. Liebe Krankenkassen, kümmert euch doch einmal darum, warum in Deutschland so viel und oft so unnötig geröntgt wird! Oder habt ihr das mit euren Abrechnungssystemen, die eben technische Untersuchungen gegenüber einer zuwendungsintensiven Medizin begünstigen, sogar selbst gefördert?
Und was sagt eigentlich unsere liebe Frau
Gesundheitsministerin Schmidt? Die zugelassen hat, dass ihr
BfArM (Bundesamt für Arzneimittel und
Medizinprodukte) wegen dreißig angeblicher
Apropos
Noch einmal zur Klarstellung: Es geht hier nicht darum, das Röntgen an sich zu verteufeln. Eine gezielte Röntgen untersuchung bei einer klaren Fragestellung mit einer definierten therapeutischen Konsequenz ist ein Segen für die Menschheit und ein diagnostisches Instrument, welches ich auf keinen Fall missen möchte. Das Zurückfahren der Röntgenuntersuchungen auf ein medizinisch sinnvolles Maß könnte jedoch Milliarden Euro an Kosten sparen und Tausende von Deutschen vor Krebserkrankungen retten. Was kann der Patient tun? Erstmal natürlich: Gesund leben und gesund bleiben, damit Röntgen erst gar nicht nötig wird. Wenn der Arzt aber eine Röntgen untersuchung für indiziert hält, dann sollten Sie nach der zwingenden Notwendigkeit und nach Alternativen nachfragen. Reicht ein Ultraschall oder ein anderes Verfahren nicht aus? Und am wichtigsten: Würde der Arzt in diesem Falle diese Untersuchung bei sich selbst auch ohne jeden Zweifel durchführen. Wenn er dann zugibt, dass er es eben um der Absicherung willen tut, aber eigentlich sei es nicht zwingend erforderlich, dann kann ein Aufklärungsbogen vom Patienten unterschreiben werden (dass er über mögliche Nachteile und Folgen der Nicht-Untersuchung aufgeklärt wurde und auf die Untersuchung verzichtet). Dann ist der Arzt rechtlich aus dem Schneider, die Kasse hat Geld gespart und der Patient sich eine nicht unbedingt notwendige Strahlenbelastung. P.S.: Aus aktuellem Anlass folgt noch ein Nachschlag. Auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung vom 7.2.09 las ich den Artikel „Einblick ohne Durchblick“. Hier wurde die Unsitte des unnötigen Röntgens bei Rückenbeschwerden angeprangert. In der aktuellen Ausgabe des Lancet, einer der weltweit wichtigsten medizinischen Fachzeitschriften, wurde davor gewarnt, bei Rückenbeschwerden eine Röntgenaufnahme zu veranlassen, da sie keinen diagnostischen Wert habe. Ausnahmen, so der Studienleiter Roger Chou, stellen nur Lähmungen, Entzündungen oder schwere Begleiterkrankungen wie Krebs dar. Der Artikel der SZ führte weiter aus, dass 50% aller über 50jährigen einen Bandscheibenvorfall aufweisen (meist ohne dass die Betroffenen davon überhaupt wissen). 90% aller Rückenschmerzen seien unspezifisch, für die ein Auslöser mit Röntgen gar nicht zu finden sei. Dies alles sei in der Fachwelt längst bekannt. Es wurde kritisiert, dass sich etablierte Erkenntnisse nur sehr langsam im praktischen Alltag durchsetzten. Patienten mit Rückenschmerzen wurde geraten, eine empfohlene Röntgenaufnahme (von den sinnvollen Ausnahmen abgesehen) schlichtweg zu verweigern.
Und hier der neueste Nachtrag: In der Ausgabe
des Hess. Ärzteblattes
Mit den
besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Dieser Beitrag erschien auch in der der Zeitschrift „Naturarzt“ www.naturarzt-access.de Auflösung der Quizfrage: a) Richtig! b) Fliegen stellt zwar eine gewisse Strahlenbelastung dar, die aber meist überschätzt wird. Fliegendes Personal (Piloten, Stewardessen) haben eine jährliche Strahlenbelastung, die derjenigen einer Röntgenaufnahme der Lunge entspricht. Für normale Flug-Touristen ist die Strahlenbelastung vernachlässigbar. Schwangere sollten allerdings Flüge wenn irgend möglich vermeiden. c) Röntgen strahlung ist eine elektromagnetische Strahlung, ist also dem Licht vergleichbar, nur mit einer viel kürzeren Wellenlänge. Durch Röntgenstrahlung können allerdings Elektronen aus Atomen herausgeschossen werden, wodurch Freie Radikale entstehen, die u.a. Krebs erzeugen können. d) Auch diese Aussage ist falsch, allerdings ist die Aussage untertrieben. Zigaretten enthalten zahlreiche radioaktive Isotope (z.B. Polonium 210). Diese treffen dann über den Rauch direkt auf die empfindliche Bronchialschleimhaut. Zum Vergleich: Beruflich exponierte Menschen (z.B. Arbeiter in einem Atomkraftwerk) dürfen sich gesetzlich vorgeschrieben (und dies wird mit Dosimeter sehr sorgfältig überprüft und dokumentiert) einer Strahlenbelastung von maximal 20 mSv (Milli-Sievert) aussetzen. Die Lungendosis für Raucher (20 Zigaretten pro Tag) liegt bei 106 mSv, also der mehrfachen Dosis, die für beruflich Strahlenexponierte maximal zugelassen ist! Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.
Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html Die
Klinik ist nach den Qualitätsgrundsätzen der DIN-EN ISO 9001zertifiziert. Unsere Klinik ist von allen gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland nach § 111 als Rehabilitationsklinik anerkannt. Wir sind außerdem von allen privaten Krankenkassen als gemischte Anstalt anerkannt. Die Kostenübernahme muss aber zuvor bei dem jeweiligen Kostenträger beantragt werden. Bei Rückfragen bezügl. der Kostenübernahme können Sie sich gerne an unseren Verwaltungsleiter, Herrn Schenk, wenden (Servicetel.: 0800 / 8 90 11 00, Tel.: 0561-3108-621, E-Mail) Weitere Fragen?
Telefon +49 (0) 56 1- 31 08 - 102 oder - 622
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